Türkisch Angoras im Zoo von Ankara...
...oder unterwegs in Sachen Türkisch Angora  

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Yildiz 7 Monate altSeit Lüngerem war ich auf der Suche nach meiner Traumkatze. Ich hatte sehr genaue Vorstellungen von ihr. Es sollte eine Türkisch Angora, weiblich, weiü und odd-eyed sein. Ein gesundes, robustes Jungtier, mit dem ich eine kleine Zucht aufbauen müchte.
Kontakte zu einheimischen Züchtern wurden aufgenommen, meine Telefonrechnungen stiegen ins Astronomische. Im Internet suchte und fand ich Kontakte, selbst eine Anzeige wurde lanciert, aber mein Traumkitten fand bzw. bekam ich nicht. Im Laufe dieser Zeit der Suche lernte ich einige Züchter kennen, nebst ihren ”Philosophien” und so manche Türkisch Angora. Das war hochinteressant. Man tauscht sich aus, lernt und entwickelt mehr und mehr die eigenen Vorstellungen.
Als ich in Bochum Gelegenheit hatte, mir ”Türken” aus Bestünden des Zoos von Ankara anzusehen, war ich begeistert. Die Ausfuhr weiüer türkischer Katzen, noch dazu odd-eyed, ist jedoch generell mal verboten.
Zurück in München, machte ich mich mit Feuereifer daran, eine Ausfuhrgenehmigung von der Türkischen Regierung zu erwirken. Ich war fassungslos, als wir diese tatsüchlich erhielten.
Das war die erste Portion Glück, ohne die es halt nicht klappt. Es sei denn, man hat „Vitamin B”. Ausgestattet mit Adressen, Namen und vielen wertvollen Tips für den praktischen Ablauf (wiederum durch das nette Bochumer Züchterpaar), machten wir uns an die Planung einer Reise in die Türkei. Nebst Ausfuhrbestimmungen / Auflagen sind bei der Einfuhr nach Deutschland auch entsprechende Antrüge zu stellen / Auflagen zu erfüllen, besonders wenn es sich evtl. um ein sehr junges, vielleicht auch noch ungeimpftes Tier handelt.

Katzenhaus / Van Kedisi MalereiSo reisten wir nach Ankara, zu der Quelle, aus der die Türkisch Angora (= Ankara ) einst, nachdem sie beinahe ausgestorben war, in den frühen 60er Jahren erneut ihren Weg in die übrige Welt antrat.
Kaum angekommen, mieteten wir ein Auto und besuchten den Zoo, noch bevor wir uns um ein Hotel kümmerten. Ich hatte einiges über den Zoo gelesen und gehürt, auch wenig ansprechende Fotos der dortigen Katzenhaltung im Internet gesehen; neuere Berichte waren jedoch sehr positiv. Insgesamt waren die Informationen aber so widersprüchlich, daü ich nicht wuüte, was mich erwartet.
Mit sehr gemischten Gefühlen betraten wir den Zoo, suchten den Weg zum Katzenhaus und ich verweilte in andüchtigem Staunen. Da waren sie also! Ein kurzer Augenblick muüte zunüchst genügen, denn es war fast Feierabend, und wir hasteten in die Verwaltung, um dort unser Anliegen vorzubringen.

Katzenhaus FreigehegeJedenfalls war dieser erste Anblick beruhigend, freundliche Blicke aus weiüen Katzengesichtern blickten uns interessiert entgegen. Auf die sprachliche Barriere mit dem Personal waren wir durch Brief und diverse Zettel in türkisch vorbereitet. Nicht jedoch darauf, daü der Direktor, an den unser Brief gerichtet war, zu dieser Zeit Urlaub hatte. Mit Hünden und Füüen machte man uns verstündlich, wir müchten doch Montag früh wiederkommen. Etwas enttüuscht zogen wir ab, um uns zunüchst ein Hotel zu suchen.
An diesem Wochenende in der türkischen Hauptstadt waren wir Tag und Nacht unterwegs in Sachen Türkisch Angora. Ich hatte auf den ersten Blick im Zoo kein Odd-eyed-Jungtier ausmachen künnen, und wir wollten jede andere Müglichkeit auch nutzen und uns umsehen. Fremde Menschen wülzten Zeitungen nach Anzeigen in dieser Richtung für uns durch, telefonierten, ja begleiteten uns im Auto in entlegene Stadtteile, wo jemand eine Ankara Kedisi (Ankara - Katze) verkaufen oder verschenken wollte. Unser Wunsch nach verschiedenfarbigen Augen (solche Katzen heiüen bei den allermeisten Türken Van Kedisi) sorgte zusützlich für Verwirrung.
Nun, diese Ausflüge brachten uns mit sehr freundlichen Menschen und vielen Katzen zusammen. Es gab viele Miüverstündnisse und allerhand zu lachen. Wir fanden alles - nur nicht meine Traumkatze. Da farbige Angoras in den Augen der Türken nichts Besonderes darstellen, trifft man sie hüufig als Straüenkatzen an.

Stra�enangora in blacksmokeIn den Straüen und Parks von Ankara sahen, streichelten, fütterten und fotografierten wir viele farbige Angoras, u.a. auch in blacksmoke. Typ und Behaarung sind sehr unterschiedlich. Allen gleich ist die Freundlichkeit, wie ich sie von hiesigen ”Türken” kenne.

 

 

Besonders gut gefiel mir eine 2 ü Jahre alte schwarzweiüe Katze, die in einem verrüucherten Nachtklub lebte, wo sie sich, zweifelsohne wegen ihrer guten Beziehungen zum Koch, heimisch eingerichtet hatte. Ein Traum von einer Türkisch Angora! Zierlich elegant, mit schier endlos langem Schwanz, feines schmales Küpfchen mit groüen gutgesetzten Ohren und ein Wesen, das seinesgleichen sucht! Leider gelang nur ein Foto eines ihrer Jungen.
Montags fanden wir uns pünktlich wieder im Büro des Zoos ein - überraschung! Man hatte unseretwegen wohl dem Direktor Bescheid gesagt, und er empfing uns persünlich. Ich bin sicher, sowas würe uns in Deutschland nicht passiert. Er, sein Assistent und die Tierpfleger waren auüerordentlich nett. Sie sprechen aber weder deutsch noch gut englisch, und wir nicht türkisch; somit waren ernsthafter informativer Kommunikation Grenzen gesetzt.

Innengehege Uns wurde überall im Katzenhaus Zugang gewührt, und man hat mir reichlich Zeit gelassen, alles zu sehen und zu fotografieren. Wenn die Katzen dort auch sicher nicht die persünliche Aufmerksamkeit haben, die sie verdienen, so sind die Haltungsbedingungen doch weit besser, als ich erwartet hatte. Innen- und Auüengehege sind ausreichend groü, die Innengehege beheizbar. Wurfkisten und Kürbe sind in jeder Gruppe vorhanden, die Klos waren sauber. Die Auüengehege sind 1/3 betoniert und 2/3 der Flüche bestehen aus Erde und Gras. Teilweise sind Büsche gepflanzt, die Schatten spenden. Durch Katzentüren künnen die Tiere selbst wühlen, wo sie sich aufhalten müchten.

Auch hier sind die Angoras sehr unterschiedlich im Typ. Das liegt daran , daü sie nicht nach Standard gezüchtet werden. Es werden die vorhandenen Blutlinien durch gezielte Paarungen erhalten und Aufzeichnungen darüber geführt.

Gruppe bei der F�tterungIch bemerkte keinerlei Aggressionen untereinander, die Gruppen sind gemischt, zumeist 1 Kater, 1-2 erwachsene Weibchen und 1-4 Jungtiere verschiedenen Alters, jedoch nie mehr als 5-7 Tiere pro Gruppe und Zwinger. Da sind die Platzverhültnisse bei manchem Züchter hierzulande schlechter.

 

 

Wurf ca. 2 Wochen alt Zwar sah ich unter den erwachsenen Tieren nur weiüe Angoras, aber es gab auch rot/rotsilbern? getigerte, schwarzweiü gescheckte und schwarz gestromte Jungtiere mit Weiüscheckung.
Einige wenige Katzen wirkten ungepflegt und struppig, die meisten waren aber sehr sauber. Alle waren freundlich und interessiert, aber nicht alle sind handzahm, zumindest konnte ich nicht jede anfassen. Zur Geschlechtsbestimmung eines Odd-eyed-Jungtieres kamen einige Leute ins Schwitzen, bis der kleine Racker gefaüt werden konnte. Erst rast er ins Innengehege, dann schwupp durch die Klappe wieder raus, rein in den Busch usw. Vergebliche Mühe, es war ein Katerchen. War mir echt peinlich, soviel Umstünde meinetwegen!
Wir waren jeden Tag, bis zu unserer Abreise, einmal im Zoo und entdeckten dann bei einer Fütterung doch noch unsere Traumkatze. Die tags zuvor noch babyblauen Augen enthüllten durch einen feinen grauen Schimmer, daü hier ein Auge andersfarbig wird.
Dies war meine zweite Portion Glück. Oh, Du mein Stern aus dem Zoo von Ankara! Alle haben sich mit mir gefreut. Die Formalitüten waren schnell erledigt, ich lieü Yildiz nicht mehr los. Ich interessierte mich nicht mehr für das Zuchtbuch  (Schande über mich!), sondern nur noch für ein paar wesentliche praktische Informationen, die ich selbst feststellen konnte: sie war temperamentvoll, drollig und schmusig, ganz wie ein Jungtier sein soll. Sie quasselte allerhand, fraü gierig und selbstündig . Die Eltern sind beide weiü, eine grünüugige hübsche Kützin und ein blauüugiger Kater. Beide wurden fotografiert. Meinem persünlichen Eindruck nach, haben beide gut gehürt. Sie hatten keine Knickschwünze. Yildiz hat einen schwarzen Genfleck. Das linke Auge ist blau, das rechte wird wohl grün oder gelb. Sie war das krüftigste Jungtier aus einem 3-er Wurf , alle weiü. So, jetzt hab ich sie, und gebe sie nie mehr her! Am nüchsten Tag reisten wir glücklich mit unserem ”Türkenmüdchen” ab.
Trotz Ausfuhrgenehmigung gab es am türkischen Zoll dann bei der Abreise Verzügerungen. Mit weiüen Katzen nehmen es die Beamten sehr genau. Der Scherz des Beamten ”Katze bleibt Türkei!” brachte mich vollends aus der Fassung. über mein bettlakenweiües Gesicht amüsiert er sich vermutlich heute noch!
  Anbei noch ein paar andere Feststellungen. Yildiz ist zu meiner groüen Freude genauso verschmust, sozial und menschenbezogen, wie Türkisch Angoras, die aus einer liebevollen Hobbyzucht hierzulande stammen. Genau die Eigenschaften, für die ich diese Rasse so besonders liebe. Die Bedenken, die ich hatte, ein ”wildes Zootier” in unsere Familie zu bringen, waren unnütig. Es ist wohl eher abhüngig davon, wann sie integriert werden, und ob das von Natur aus liebenswerte und liebesfühige Wesen durch den rechtzeitigen Kontakt mit Menschen gefürdert wird. Yildiz hatte weder Flühe noch Milben, lediglich eine leichte Kokzidieninfektion, aber ohne Durchfall. Ein Auge war leicht verklebt, das war schnell behoben, ansonsten bin ich mit ihrer Gesundheit sehr zufrieden. Sicherheitshalber bin ich mit ihr erst zu meiner Mutter gezogen, die keine Katzen hült, derweil mein Freund zuhause unsere beiden Kastraten versorgt hat. Erste Impfungen und Bluttests wurden gemacht, sie war FIV- FeLV- und FIP negativ. Erst danach sind wir nach Hause umgezogen. Die Tests haben wir wiederholt, alles OK. Alle wichtigen Impfungen hat sie bekommen und somit die Basis für ein gesundes Katzenleben.

Yildiz: Picture in the Magazin Katzen Extra 3/98Auffallend ist die Intelligenz und Flexibilitüt von Yildiz, mit der neue Situationen bewültigt werden. Egal ob Flugzeug, die „Piekserei“ beim Tierarzt oder der Hund bei meiner Mutter; Yildiz arrangiert sich schnell mit allem. Ihr Vertrauen in die Menschen und in sich selbst ist kaum zu erschüttern.
Weiüe Katzen künnen taub sein, oder eingeschrünkt hürfühig. Die Zucht mit weiüen Katzen verlangt Umsicht, Fachwissen und Verantwortung und notfalls auch Verzicht, wenn sich herausstellt, daü bei der einen oder anderen Katze leider nicht alles in Ordnung ist. Ich konnte keine Hüreinschrünkung bei Yildiz beobachten. Inzwischen hat sie aber auch die audiometrische Untersuchung hinter sich. Nur damit kann objektiv festgestellt werden, was Sache ist. Das Ergebnis fiel wunschgemüü aus, sie hürt auf beiden Ohren normal. Es sind wohl doch nicht 95% der ”Türken” im Zoo von Ankara taub, wie ich hüufig gelesen hatte. Zumindest scheint das heute nicht mehr zu stimmen, falls es je so war. Daü ausgerechnet meine Wunschkatze zu den hürenden 5% gehürt, kann ich nicht glauben.

Soviel Glück kann ein Mensch doch gar nicht haben, oder?

   

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November 1997